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Sifaya

Bei Sifaya war auch eine Kinderüberraschung angesagt: Sie war im siebten Monat schwanger. Wie das? Sie habe doch immer gesagt, sie wolle keine Kinder mehr? Es war der Wunsch ihres neuen Mannes gewesen.

Sifaya

 

Als Fahrer ohne eigenes Tuk-Tuk hat er zwar Mühe, sich um seine Kinder aus erster Ehe zu kümmern, die bei seiner Mutter leben, und um Sifayas Kinder kümmert er sich landestypisch nicht, aber ein neues Baby wollte er haben und ihr blieb nichts anderes übrig, als ein „gutes“ Mädchen zu sein!?

 

Da er aus erster Ehe einen Stammhalter hat, (wenn es denn je etwas zu halten gibt) war die Entscheidung wohl damit begründet, dass ein sichtbarer Beweis seiner Potenz hermusste. Unnötig zu erwähnen, dass dieser Umstand meine Sympathien für ihn nicht eben vergrössert haben.

 

Zu unserer Verwunderung hatten die zwei letzten Raten des Vaters von Sifaya gefehlt. Sie gab unumwunden zu, das Geld, anstatt an Zariya weitergeleitet, ausgegeben zu haben............ Mit dem neuen Baby werden ihre Aussichten, etwas zum Familieneinkommen beizutragen, nicht vergrössert, und obwohl wir sie und ihre Mädchen immer als unsere persönlichen Patenkinder betrachtet haben, kommen wir nicht umhin, ihr zu allem Elend auch noch ein unglückliches Händchen mit Geld zu attestieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beim EinkaufenBeim Einkaufen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beim Einkauf für sie, die Mädchen und das Baby machten wir ihr mit Hilfe von Zariya klar, dass ihr mit drei günstigen Kleidern mehr gedient sei als mit einem teuren. Im Geheimen musste ich ihr Bewunderung zollen, dass sie sich erst entschied, als zwei Angestellte auf ihr Geheiss das letzte der drei Dutzend Kleider aus dem obersten Regal auf den Ladentisch geholt hatten.

Auch erzählte sie erst nach den umfangreichen Einkäufen, dass sie noch kein Körbchen für die Entbindung im Krankenhaus haben würde. Was es mit dem Körbchen auf sich hatte, bekamen wir von Zariya erklärt. In den Spitalzimmern hätte es keine Schränke und die Frauen müssten für ihre persönlichen Gegenstände diese Plastikkörbe mitbringen. Darin hätten sechs Sarongs (ein zum Schlauch genähtes Stück Stoff, das als Rock getragen wird), drei vorne zu öffnende Blusen und diverse Toilettenartikel zu sein. Unter anderem auch eine Flasche oildekolon..............wir hatten schon fast aufgegeben zu ergründen, was für ein Öl das sein sollte, als Zariyas Schwester mit einer angebrochenen Flasche Eau de Cologne auftauchte.

Sifayas TochterSifaya mit den Töchtern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eigentlich müsse der werdende Vater dafür aufkommen, aber er würde nicht so viel verdienen und bis zum elften Januar sei noch Zeit. Da es unser letzter Tag in Hambantota war, haben wir die Kosten überschlagen und den Betrag in Sifayas Beisein Zariya übergeben mit der Bitte, die Dinge zu besorgen.

Bei unserem Besuch in Sifayas Haus Tage zuvor war sie mit einem Anliegen an uns herangetreten. Sie könnten das Haus auf der gegenüberliegenden Strassenseite kaufen, wenn wir ihr helfen würden. Vom Verkauf  des Stücks Land von ihrem verstorbenen Mann würde sie den grössten Teil, aber eben nicht die ganzen Kosten decken können.

Was sie denn mit dem Haus wolle? Es sei ihre einzige Möglichkeit, für die Zukunft der Mädchen vorzusorgen.

Ob das nicht genauso gut mit dem Land des Vaters möglich sei, konnte sie nicht schlüssig beantworten. Als sich dann noch herausstellte, dass das fragliche Haus der Schwester des neuen Ehemannes gehörte, wurde klar, dass er hinter der Sache steckte und wohl alles mögliche damit gesichert werden sollte, nur nicht die Zukunft der Mädchen.

An dieser Stelle möchten wir unserem Fahrer Viktor ein Kränzchen winden. Zum wiederholten Mal hat er für uns die Ohren offen gehalten und uns mit zusätzlichen Informationen versorgt.

Einbau des Wassertanks

Eine Hilfe zu dem Hauskauf hätten wir so oder so rundweg abgelehnt. Die Strasse ist noch immer ein Feldweg und die Häuser in desolatem Zustand. Bei unserem Besuch waren Arbeiter daran, die Sickergruben der Häuser zu ersetzen. Beim Bau war auch hier geschlampt und gespart worden und bei schweren Regenfällen schwamm die Bescherung durch die Gärten. Die Arbeiten sind beschwerlich, weil das Erdreich mit grossen Steinbrocken durchsetzt ist, werden aber immerhin auf Regierungskosten durchgeführt.

Wir haben Sifaya versprochen, nach einer Lösung für die Mädchen zu suchen.

Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Monatliche Zahlungen auf ein Sperrkonto sind bei einer Inflationsrate von bis zu 25 % nicht sinnvoll, auch wenn die Zinsen von 15 % auf den ersten Blick verlockend erscheinen.

Zusammen mit Anuras Frau, die in einer Bank arbeitet, entschieden wir uns für eine Festgeldeinlage auf zehn Jahre, die mit 30 % verzinst wird.

Wir werden nächsten Frühling für die ältere Nasreen ein solches Konto eröffnen und in zwei Jahren eines für Nasmela. Damit kommt vor dem 19ten bzw. 18ten Geburtstag der Mädchen niemand an das Geld und Roy wird als Treuhänder walten. Damit wird sichergestellt, dass auch bei der Auszahlung im Interesse der Mädchen ohne Einbezug der Eltern gehandelt werden kann. Für uns als Ausländer ist es nicht möglich, auf unseren Namen ein solches Konto zu eröffnen. Der Wehmutstropfen dabei ist die Vermutung, dass das Geld wohl eher zum Kauf eines Ehemannes und nicht für eine Ausbildung Verwendung finden wird. Immerhin: je höher die Mitgift, umso höher die finanzielle Potenz des Ehemannes. Und wir werden das System mit seinen eigenen Waffen schlagen und die „guten“ Mädchen so teuer wie möglich „verkaufen“!

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