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Mikrokreditprogramm für Witwen

Wie immer die schlechte Nachricht zuerst: die Ziegen wurden gestohlen!

Eine Witwe mit vier Kindern, die im September einen Kredit über Rs. 40000 erhalten hatte, um damit Ziegen zu kaufen, sass sehr geknickt da und berichtete, dass ihr sechs Wochen nach Erwerb alle Ziegen gestohlen worden seien.

Der Kontostand

Laut ihrem File waren aber alle Ratenzahlungen prompt eingegangen.

Sie bekäme von einem Hilfswerk eine kleine Unterstützung für ihre Kinder und sie hätte das Geld dort abgezweigt. Sie zeigte eine Kopie des Polizeiberichtes, und leider hätte die Kennzeichnung der Ziegen nicht geholfen – diese seien wohl in einem Kochtopf gelandet.

Wir hatten bei Beginn der Projektes kurz ins Auge gefasst eine Art Versicherung in den Rückzahlungsmodus einzubauen für solche Fälle, hatten es aber bleiben lassen, um die Dinge nicht unnötig zu komplizieren.

Ziemlich ratlos fragte ich die Frau, wie sie die Lösung des Problems sehen würde. Ähnlich ratlos kam zurück, dass sie Fehler begangen hätte die ihr nicht noch einmal unterlaufen würden und die Ziegenhaltung für sie und ihre Kinder eine grosse Chance gewesen sei.

Nach kurzer Rücksprache mit mir selber (was hätte ich sonst tun sollen?) schrieb ich kurzer Hand die Restschuld von Rs. 35000 ab und bewilligte ihr einen neuen Kredit über Rs. 30000.

Unser nächster Besuch im Herbst wird zeigen, ob mich mein Bauchgefühl betrogen hat.

Neben der Witwe mit dem Laden, die bereits letzten Herbst nicht mehr auffindbar war und den gestohlenen Ziegen waren alle Raten der restlichen 14 Kredite vollumfänglich eingegangen. Wie ich meine, eine Bilanz die sich sehr gut zeigen lässtJ

Einer Witwe konnte sogar ein zweiter Kredit bewilligt werden, da der erste bereits getilgt war.

Besichtigung des Ladens

Dank der wiederholten Unterstützung der BANK CIAL und einer grosszügigen Spende der Swisscom reifte uns nach unserem letzten Besuch der Gedanke, der Schneiderin Chammi ,die uns immer wieder beeindruckt hatte, zu einer Nähstube ausserhalb ihres Hauses zu verhelfen.

Wie bereits im letzten Bericht beschrieben, kann sie ihr zuhause betriebenes Geschäft nicht bei der Handelskammer anmelden und somit auch ihre Maschinen nicht versichern lassen.

Wir dachten durchaus an den Erwerb eines kleinen Grundstückes, und ich teilte ihr unsere Gedanken Anfang Jahres in einem Brief mit, unter der Auflage Stillschweigen zu bewahren, da bei einer Erwähnung unserer Namen die Preise automatisch steigen würden. Je günstiger der Preis, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass wir das Projekt realisieren könnten.

Der Antwortbrief kam drei Tage vor meinem Abflug und versetzte uns gelinde gesagt ins Staunen.

 

Nach unserem Angebot hatten wir (eher Michel) die Befürchtung, dass wir Chammi damit so etwas wie einen Freibrief erteilt hatten oder Erwartungen geweckt hatten, die wir nicht erfüllen konnten.

Sie bat jedoch lediglich um Unterstützung um einen kleinen Laden anmieten zu können. Es wäre grossartig wenn sie bereits zu den Neujahrsfeierlichkeiten Mitte April – nach Möglichkeit trägt jeder neue Kleider – von der guten Auftragslage profitieren könnte. In der Vergangenheit hätte sie vor allem grössere Aufträge ablehnen müssen, weil ihr das Geld für die Materialbeschaffung gefehlt hätte.

Die Kosten für das von ihr ins Auge gefasste Objekt würden sich auf Rs. 12000 Anzahlung und eine monatliche Miete von Rs. 2000 belaufen, umgerechnet eine Jahresmiete von ca. CHF 400.

Ich habe per sms noch ein paar Rückfragen gestellt, sehr befriedigende Antworten bekommen, und hätte gerne ihr Gesicht gesehen, als ich schlussendlich schrieb, sie solle den Laden mieten – ich käme am Montag nach Hambantota und wir würden die Anzahlung und die Miete übernehmen.

Die ganzen Umstände und die Tatsache, dass ich erst spät abends in Hambantota ankam müssen kräftig an ihrem Nerven gezerrt haben: als ich ihr das Geld überreichte, brach die starke, tapfere Chammi in Tränen aus. Sie habe die Rs. 12000 Anzahlung aus allen Ecken zusammengekratzt und wenn ich nicht gekommen wäre, hätte sie nicht einmal mehr Faden kaufen können.

Im Laden von ChammiEinrichten des Ladens

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich erzählte ihr, dass es nicht einfach gewesen sei Michel das Geld aus den Rippen zu leiern da es ja nicht dem Kreditprinzip des Projektes entsprechen würde, einfach Geld zu verschenken. Da es aber auch nicht sinnvoll sei, sich zu überschulden sei mir (meiner Meinung nach) ein guter Gedanke gekommen. Im Projekt hätten wir eine Witwe mit vier Kindern, deren älteste 17jährige Tochter zurzeit einen sechsmonatigen Nähkurs bei Singer absolvieren würde. Sie, Chammi, könne das Mädchen vielleicht nach Abschluss des Kurses einstellen – als Gegenleistung sozusagen!?

Chammi hatte mir schweigend zugehört, blickte von mir auf das Couvert mit dem Geld und schluckte zweimal leer. Dann sagte sie klar und deutlich, dass sie das nicht versprechen könne. Es gäbe Mädchen, die seien einfach nicht clever genug und obendrein faul. Sie müsse sich das Mädchen erst anschauen, zumal sie schon zwei Mädchen beschäftigen würde, die sonst kaum eine Chance auf Anstellung gehabt hätten. Das eine, 18 Jahre alt und seit Geburt stumm, sei seit einem Jahr bei ihr und würde sich hervorragend anstellen, das andere stelle sich nicht so gut an und es müsse sich erst noch zeigen, ob sie es behalten könne.

Zerbrochene Nadeln würden ins Geld laufen und sie könne sich nur ein Geschäft aufbauen wenn sie gute Qualität liefern würde.

Die 17 jährige Tochter der anderen Witwe darf sich in zwei Monaten nach Abschluss ihres Kurses bei Chammi vorstellen und es wird an ihr liegen ob sie ihre Chance nützt.

Am nächsten Tag traf ich Chammi an ihrem neuen Reich und fast entschuldigend meinte sie, es sei halt schon ziemlich klein. Aber  sie wolle es langsam angehen lassen und die Passantenlage sei sehr gut. Vielleicht könne sie sich bereits nach einem Jahr ein bisschen vergrössern.

Ich bin mir sicher, dass sie das schafft und zwar ohne sich zu verbiegen oder jemandem nach dem Mund zu reden.

Ich habe auch einige andere Wittfrauen des Projektes besucht und besonders schön ist es, unvermittelt mitten in der Stadt auf ein bekanntes Gesicht zu treffen. Ich hoffe sehr, dass im Herbst ein geplantes Fest mit allen Frauen zustande kommen wird.

Frau M. Poetschik hatte mir CHF 300.- für die Frauen mitgegeben. Ich teilte das Geld auf vier Witwen auf, die sie bei einem Besuch vor einem Jahr persönlich kennengelernt hatte. Die Hilfe wurde sehr dankbar angenommen.

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