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Mikrokreditprogramm für Witwen

Auch diesmal haben wir auf der Anfahrt zuerst bei unserer Witwe in Ambalantota, die Bananen anbaut und verkauft, vorbei geschaut. Schliesslich wollte ich Michel auch den Brunnen vorführen, der im April gebaut worden war.

Wir waren noch nicht recht ausgestiegen, als wie bestellt ein alter Mann mit einem äusserst rostigen Velo und einem Kanister ankam, um Wasser zu holen, und in höchsten Tönen den Brunnen lobte. Bald darauf tauchten auch andere Bewohner der Siedlung auf und wir verteilten zu ihrer Freude die Fotos, die ich im Frühling gemacht hatte.

Alter Mann beim Wasser holenDer Brunnerbauer zeigt uns den neu gebauten Brunnen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Brunnenbauer hatten wir auch dorthin bestellt und er nahm sichtlich stolz seine Fotos in Empfang.

Wir hatten ihm gesagt, dass er nach weiteren geeigneten Stellen für Brunnen Ausschau halten solle und er führte uns zu einem zerstörten Brunnen ca. 3 Kilometer weiter im Landesinneren.

Der Brunnen sei seit anderthalb Jahren kaputt und niemand könne das Geld für die Reparatur aufbringen. Auch dort wären ca. 20 Familien froh um einen nahe gelegenen Brunnen. Wir wur-den schnell handelseinig und später stellte sich dann heraus, weshalb der Brunnen kaputt war: Er war von dem Besitzer des Hauses, vor dessen Grundstück er an der Strasse stand, zerstört worden, weil ihn die vielen Leute, die ihr Wasser dort holten, störten! Er selber besass natürlich einen eigenen Brunnen auf seinem Grundstück.

Glückliche Gesichter neben dem neuen Brunnen

Der Brunnenbauer hat diesem Umstand Rechnung getragen und den neuen Brunnen um mehrer hundert Meter versetzt auf der anderen Strassenseite neu gebaut. Drei Tage später konnten wir das Werk besichtigen und haben so glückliche Gesichter bei Frauen und Kinder gesehen, dass wir fast beschämt waren.

Roy Marsos Schwägerin, die das Mikrokreditprogramm leitet, ging auch nach dem Motte: die schlechte Nachricht zuerst, vor. Eine der Witwen, die mit ihrem Kredit einen kleinen Laden aufgebaut hatte, war offen-sichtlich ins Ausland gezogen. Sie hätte auch ein Haus in der Siedlung bekommen, ihren Laden dorthin verlegt und nun sei es seit zwei Monaten nicht möglich, ihrer habhaft zu werden und die Raten ein-zutreiben. Diese Nachricht wurde mit wildem Gestikulieren und einer Dramatik vorgetragen, dass wir fast schmunzeln mussten.

KreditvergabeDas Bankbüchlein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Höhe des Kredites war sicherlich nicht in der Grössenordnung, um sich damit ins Ausland abzusetzen, zudem sehen wir uns nicht in der Lage, die Gedankengänge einer 35-jährigen Frau nachzuvollziehen, die an ei-nem Tag ihren Mann und ihre beiden Kinder verloren hat.

Vielleicht spart sie in den arabischen Emiraten von ihrem mageren Gehalt als Hausangestellte das Geld zusammen, um den Kredit zurück zu bezahlen, vielleicht kümmert sie sich mit keinem Gedanken darum.

Dem Erfolg des Projektes wird dies keinen Abbruch tun. Auf dem Konto waren bereits wieder stolze 50`000 Rupien und die Buchführung in einem Schulheft erwies sich zwar als akkurat, aber nicht sehr übersichtlich.

Wir haben in einer Papeterie Mappen gekauft und mit Hilfe des Laptops, das die Bank Cial dankenswerterweise jeweils mit auf die Reise gibt, Formulare erstellt.

Nun hat jede Kreditnehmerin ein eigenes Dossier, aus dem für die Frau auch jeweils ersichtlich ist, wie gross die Restschuld ist.

Dank der erneuten Spende der Bank Cial und einer Spende der Swisscom konnten wir neben dem Kindergartenbau auch noch sechs neue Kredite vergeben.

Es ist toll, was diese Frauen leisten, und das System der Mikrokredite ist so simpel wie genial. Die bereits angesprochene Verwirrung um die neuen Adressen machte es nicht einfach, sie zu besuchen, und auch die Idee, die Leute 5 km ins Landesinnere umzusiedeln, macht für viele das Leben nur schwerer.

Nihara mit Ihrer Familie

So kann es sich Nihara nicht leisten, in ihr neues Zuhause zu ziehen, weil sie die Kosten für den Transport ihrer Kinder in die Schule nicht aufbringen könnte. Den bescheidenen Lebensunterhalt, den sie mit ihrer Reismühle erwirtschaftet, sieht sie in der weit verstreuten Gegend auch in Gefahr. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als das Haus nur in den Schulferien zu nutzen, um den Anspruch darauf nicht zu verlieren. Ihr Wunsch, die älteste Tochter (17) zu verheiraten, wäre unter anderen Umständen wohl auch nicht so ausgeprägt.

Besonders hervorragend sind die Leistungen von Chammi, der einzigen gelernten Schneiderin unter den Frauen. Bereits im Flüchtlingslager ratterte bei ihr eine alte Nähmaschine und ihr Häuschen in der Siedlung quillt über von verschiedenen Maschinen und Stoffen.

Mittlerweile arbeiten drei weitere Frauen mit ihr zusammen und stolz verkündete sie, dass sie ihre Waren im Convention Center in Colombo ausstellen dürften.

Wir haben die Ausstellung besucht und waren sehr beeindruckt. Ca. 50 Stände von Kleinbetrieben aus dem Süden des Landes verkauften ihre Waren und Chammis liebevoll hergerichteter Stand war eine Augenweide, besonders ihr Firmenlogo.

Es war wohl auch kein Zufall, dass die Daily News, die über die Messe berichtete, ein Foto von ihr und ihren Waren veröffentlichte.

Ein Geschenk von Chammi

Sie hätten viel verkaufen können und auch diverse Aufträge erhalten. Aber auch sie hat mit Problemen zu kämpfen. Ihr Haus wird erst in fünf Jahren in ihren Besitz übergehen und die Handelskammer weigert sich, ihren Betrieb ins Register aufzunehmen, da es sich um ein Wohnhaus, das der Regierung gehört, handelt. Das hat unter anderem zur Folge, dass sie ihre Maschinen nicht versichern lassen kann.

Mit dem restlichen Geld der Spenden der Bank Cial und der Swisscom, den Raten aus mittlerweile 18 Kleinkrediten und weiteren Anstrengungen wird es vielleicht möglich sein, ein Stück privates Land zu kaufen und dort eine Näherei zu bauen.

Chammi hat das Wissen und die Energie, noch viele Arbeitsplätze für Frauen zu schaffen, und verdient dabei jede Unterstützung.

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